Feuerwehren kennen keine Grenzen

von Gerhard UrschlerZuletzt am Montag, 28. März 2022 geändert.
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Feuerwehren helfen Feuerwehren: Feuerwehrmitglieder aus Deutschland, Spanien, Österreich und Polen haben bei dieser Aktion ihre Kameraden in der Ukraine unterstützt. Ein Hilfskonvoi hat von Böblingen über Krems bis nach Lemberg dringend benötigte Feuerwehrausrüstung und drei Einsatzfahrzeuge ins Kriegsgebiet gebracht. 

Tief betroffen verfolgen wir die unfassbaren Gräueltaten in der Ukraine: als Feuerwehrleute gilt unsere besondere Sympathie den Feuerwehrmitgliedern, die in den durch sinnlose Zerstörungswut zerbombtem Wohnblöcken nach Überlebenden suchen, Brände löschen und ihr Leben ständig aufs neue einsetzen um ihren Mitmenschen zu helfen. Hilfsaktionen sind überall angelaufen: der NÖ Landesfeuerwehrverband führt Transporte humanitärer Hilfsgüter, aber auch von Feuerwehr-Ausrüstungsgegenstände, im Auftrag internationaler Hilfsorganisationen durch.

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Aufgrund unserer Partnerschaft mit der Freiwilligen Feuerwehr in Straszecin in Polen haben wir quasi aus erster Hand von der unglaublichen Solidaritätswelle der polnischen Feuerwehren mitbekommen. In der Landeshauptstadt Rzeszów werden im großen Stil Feuerwehrausrüstungsgegenstände gesammelt, katalogisiert und über die Grenze nach Lemberg gebracht. Listen mit den dringend benötigten Ausrüstungsgegenstände wurden veröffentlicht.

Die Feuerwehren Amstetten, Böblingen und Krems waren 2019 in Straczecin zu einer gemeinsamen Übung (https://www.feuerwehr-krems.at/ShowArtikelNeu.asp?Artikel=10957) - damit war das Kriegsgebiet für uns viel greifbarer - und der Handlungsdruck ungleich höher. Feuerwehren helfen: und so kam in sehr kurzer Zeit eine erkleckliche Menge an Ausrüstungsgegenstände zusammen, vom hydraulischen Rettungssatz, Uniformen, Atemschutzgeräte, Schlauchmaterial, Pumpen, Stromerzeuger und Heizungssysteme - gebraucht, aber einsatzfähig. Zusätzlich zur Ausrüstung standen auch drei Einsatzfahrzeuge zur Verfügung, ein Tanklöschfahrzeug und zwei Löschfahrzeuge samt Beladung!

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Seitens der Chubb Österreich Gmbh aus Brunn am Gebirge gab der GF Herbert Szirota ein gebrauchtes Löschfahrzeug frei. Das Fahrzeug war einsatztüchtig, verfügte nur mehr über keine Strassenzulassung. Flugs wurde das Fahrzeug mit dem Tiefladesystem der Feuerwehr Krems aus Brunn abgeholt und dem Konvoi einverleibt.

Die Ausrüstung wurde in den Bezirken Amstetten und Krems gesammelt. So brachte die Feuerwehr Amstetten eine LKW-Fuhre nach Krems. In Krems wurde sortiert und verpackt und schließlich alles verladen.

Der Böblinger Gemeinderat verfügte, dass zwei gebrauchte Einsatzfahrzeuge für diese Unterstützungsaktion gespendet werden. Nachdem die Fahrzeuge noch angemeldet waren, war der Transport auf der Straße die einfachste Möglichkeit.

Die Kameraden aus Böblingen starteten am Donnerstag, den 24.3.2022 ihre Reise und fuhren bis nach Krems. Hier wurde der Konvoi neu formiert, das Material aus Amstetten, das Löschfahrzeug aus Brunn sowie das Material der Kremser Feuerwehren wurde auf Paletten verpackt und verladen. Am nächsten Tag ging dann die gemeinsame Reise bis nach Rzeszów, wo der Kontakt mit den polnischen Kameraden hergestellt wurde. Dort erfolgte die Protokollierung und Übergabe, das Material muss an der EU-Aussengrenze ja durch den Zoll. Anschließend ging es gleich wieder zurück bis kurz vor Debica, dort übernachtete der Konvoi bei unseren Freunden in Straczecin. Am Samstag ging es nach Krems, die Böblinger Kameraden erreichen ihre Heimatwache erst am Sonntag.

Die Paletten mit den Ausrüstungsgegenständen wurden noch am gleichen Tag umgeladen und nach Lemberg transportiert, die Einsatzfahrzeuge werden am Dienstag folgen. 

Grzegorz Szukai, Feuerwehrmann aus Krems: "Die Menschen in meiner alten Heimat sind extrem hilfsbereit. Dem direkten Nachbarn zu helfen ist für die Polen eine Selbstverständlichkeit."

Feuerwehrmann Nico Mayan, der den Böblinger Konvoi anführt, bekräftigt: „Eine Hilfsaktion zu organisieren, ist für uns eine Selbstverständlichkeit. Mein Fahrerteam und ich sind hoch motiviert, blicken aber auch mit Respekt auf das, was uns vielleicht erwartet. Besonders freue ich mich, dass wir die Hilfsaktion mit unserer Partnerfeuerwehr aus Krems gemeinsam auf die Beine stellen. Ein Zeichen, dass die Partnerschaft auch gelebte Nächstenhilfe ist.“

Karl Plutsch, Fahrmeister, FF Krems: "Die Partnerschaft zwischen Polen, Deutschland und Österreich hat hier eine gute Sache vollbracht. Die Hilfsbereitschaft der Polen ist bewundernswert. Lemberg wird bereits beschossen, die Hilfslieferungen fahren weiter."

Kommandant Marcin Swierk, Freiwillige Feuerwehr Straszecin: "Für uns, die Feuerwehrleute und die gesamte polnische Gesellschaft, ist es aufgrund des Krieges bei unseren östlichen Nachbarn eine sehr schwierige Zeit, aber wir versuchen, so viel wie möglich zu helfen."

Feuerwehren helfen. Immer.

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